Projekte mit hartem Endetermin (Bericht der Community of Practice Projektmanagement)

You are currently viewing Projekte mit hartem Endetermin (Bericht der Community of Practice Projektmanagement)
  • Post comments:0 Comments

Was macht einen Termin überhaupt „hart“? Und unterscheidet sich ein solches Projekt wirklich von jedem anderen? Der Impulsvortrag nimmt Endetermine unter die Lupe, stellt konkrete Werkzeuge für die heiße Phase vor und wirft mit den Teilnehmenden die Frage auf, wie Team und Projektleitung dabei nicht nur das Ziel, sondern auch sich selbst im Blick behalten.

Am 25. August 2026 fand als hybrides Treffen in Frankfurt am Main und online ein weiteres Treffen der „Community of Practice Projektmanagement“ der Gesellschaft für Informatik e.V. statt. Thema der Veranstaltung war „Projekte mit hartem Endetermin“, präsentiert von Siegfried Wirth, IT-Projektmanager und Teamleiter bei der Finanz Informatik Solutions Plus. Ausgangspunkt des Impulsvortrags war eine bewusst zugespitzte These: Ein Projekt mit hartem Endetermin braucht keine anderen Techniken als jedes andere Projekt – es hat lediglich, wie jedes Projekt, eigene Herausforderungen, bei denen die Einhaltung des Termins besonders wichtig ist.

Zu Beginn ordnete Wirth den Begriff des harten Endetermins ein und ließ die Teilnehmenden gemeinsam diskutieren, was einen Termin tatsächlich „hart“ macht – und was eher nicht. Klar wurde: Nicht jeder unverschiebbare Termin ist automatisch hart, und nicht jeder harte Termin wird auch so kommuniziert. Entscheidend ist die Konsequenz für die Steuerung, die daraus folgt: Bei einem Projekt mit hartem Endetermin managt man nicht die Zeit, sondern den Weg zum Ziel und das Ziel selbst.

Im Abschnitt „Wichtiges im Blick behalten“ richtete der Referent den Blick zunächst auf IT-Projekte im Speziellen: Die Flexibilität digitaler Dienstleistungen sei ein Vorteil, berge aber auch Risiken, wenn Entscheidungen zu spät fallen oder Komplexität unterschätzt wird. Je näher der Endetermin rückt, desto mehr Entscheidungen müssen Team, Projektmanagement und Managementebenen gemeinsam und schnell treffen. Ein zweiter, oft vernachlässigter Aspekt war die Eigenfürsorge der Projektleitung selbst: Schlechter Schlaf, abgesagte Freizeittermine und gekürzte Urlaube seien typische Warnsignale – und die Frage, was ein Projekt mit einem selbst macht, verdiene ebenso einen festen Platz im Kalender wie jeder andere Projekttermin.

Den größten Raum nahm der Werkzeugkasten für die „heiße Phase“ ein. Wirth stellte unter anderem vor:

  • Frühwarnsignale erkennen – aktiv „das Ohr auf die Schiene legen“: Spricht das Team noch offen? Werden Zwischentermine regelmäßig knapp gerissen?
  • Ziele und Wege zum Ziel klären – da der Endetermin meist vor dem Ende der To-dos erreicht ist, gehören wichtige und unklare Funktionen an den Anfang der Bearbeitung, unklare wichtige Funktionen sogar noch früher.
  • Leitfragen zum (De-)Scoping – was kann später kommen, was wird erst im Rollout gebraucht, wer sind die tatsächlichen Nutzenden, und welche technischen Schulden ist man bereit einzugehen? Wichtig sei dabei, das Commitment des Auftraggebers rechtzeitig und offen einzuholen – ohne Salamitaktik, aber auch ohne kopfloses Alarmschlagen.
  • Das Team im Blick behalten – über Know-how, Belastung und Pain Points, die in Einzelgesprächen oder kleinen Workshops sichtbar werden, auf die dann aber auch tatsächlich reagiert wird.
  • Motivation durch Etappenziele – sichtbare Erfolgserlebnisse auf dem Weg zum Endetermin statt eines einzigen fernen Ziels.
  • Abschichten und Delegieren – klare Liefergegenstände, Zwischentermine und regelmäßige Abstimmung zwischen Teilprojekten.
  • Der kritische Pfad – bleibt wichtig, verändert sich aber: Neue kritische Pfade sind willkommen, wenn der Weg kürzer wird, brauchen aber sofortige Aufmerksamkeit, wenn er sich verlängert. Prototypen und Durchstiche schaffen dort Klarheit, wo der Weg selbst noch unklar ist.
  • Risikomanagement – die oft unausgesprochenen Pläne B und C sowie die Auswirkungen konkreter Risiken auf die Kernfunktionen sollten explizit gemacht werden.

Abgerundet wurde der Vortrag mit dem Hinweis, dass auch der Endetermin selbst Vorbereitung braucht – er ist zugleich ein Starttermin, etwa für den Rollout oder die nächste Projektphase. Die größte Gefahr dabei: den Fokus zu verlieren, sobald der eigentliche Termin geschafft ist.

Die anschließende Diskussion war lebhaft und praxisnah. Teilnehmende aus dem Pharma, Bank- und Versicherungsumfeld sowie aus der öffentlichen Verwaltung berichteten, wie stark sich unklare Anforderungen kurz vor dem Stichtag rächen und wie sehr regelmäßige, kurze Abstimmungen mit dem Auftraggeber spätes Scope-Chaos verhindern können. Aus der Softwareentwicklung kam der Hinweis, dass Prototypen gerade bei unklaren technischen Wegen oft schneller Sicherheit schaffen als lange Diskussionen im Vorfeld. Insgesamt zeigte die Diskussion, wie unterschiedlich Projekte mit hartem Endetermin in verschiedenen Branchen aussehen können – und wie ähnlich die wirksamen Gegenmittel am Ende doch sind.

Über den Referenten

Siegfried Wirth ist Diplom-Informatiker, IT-Projektmanager und Teamleiter bei der Finanz Informatik Solutions Plus. Nach dem Berufseinstieg in die Entwicklung von Unternehmensanwendungen in Java gestaltet er seit über zehn Jahren große Software-Entwicklungsprojekte. Sein fachlicher Schwerpunkt liegt in der Mischung aus Digitalisierung, Online-Banking und Apps, Vertriebslösungen sowie technischen Anwendungsschnittstellen. Für erfolgreiche Projekte ist für ihn neben den objektiven Projektzielen der Grundsatz „Menschen machen Projekte“ ein wesentlicher Baustein.

Über die Community of Practice

Die Veranstaltungsreihe der Community of Practice Projektmanagement findet regelmäßig statt und richtet sich an alle, die ihr Projektmanagement-Knowhow vertiefen und von den Erfahrungen anderer profitieren möchten. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung sind auf der Webseite der Fachgruppe Projektmanagement der Gesellschaft für Informatik e.V. (https://fg-wi-pm.gi.de) verfügbar: https://fg-wi-pm.gi.de/fachgruppe/community-of-practice-projektmanagement
Den Foliensatz zur Veranstaltung finden sie unter “vergangene Veranstaltungen”.

Leave a Reply