KI-Führung im Wandel: MHP-Experte stellt neue Führungsmodelle für das KI-Zeitalter vor

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Dr.-Ing. Jan Wehinger präsentiert auf dem PVM 2025 in Hameln Konzepte für moderne Organisationen – Drei Modelle zeigen, wie Menschen und KI gemeinsam führen können

Hameln, 30. November 2025 – Auf dem renommierten Projektmanagement-Kongress PVM 2025 in Hameln stellte Dr.-Ing. Jan Wehinger von MHP Management- und IT-Beratung GmbH neue Führungsansätze für das KI-Zeitalter vor. Sein Vortrag „Wer führt die KI – und wie? Oder führt die KI uns?” adressierte eine der drängendsten Fragen moderner Organisationen: Wie verändert Künstliche Intelligenz Führung – und wer trägt künftig die Verantwortung?

Der Experte machte deutlich, dass klassische Führungstheorien wie transformationale oder situative Führung an ihre Grenzen stoßen, wenn KI-Systeme zu Teammitgliedern oder gar „Vorgesetzten” werden.

Die Führungskräfte von heute werden die letzte Generation von Führungskräften sein, die ‚nur’ Menschen führen. Möglicherweise werden wir die erste Generation von Menschen erleben, die von KI-Agenten geführt werden.”, fasste Wehinger die Tragweite der Entwicklung zusammen.

Drei Führungsmodelle für hybride Mensch-KI-Teams

Das Kernstück des Vortrags bilden drei innovative Führungsmodelle, die unterschiedliche Szenarien der Zusammenarbeit zwischen Menschen und KI abbilden:

1. Supervisory Leadership Model: Der Mensch überwacht KI-Systeme und behält die Endverantwortung. Die KI übernimmt Routineaufgaben und datenintensive Analysen, während die Führungskraft Ziele setzt, Ergebnisse kontrolliert und bei Bedarf eingreift.

2. Collaborative Leadership Model: Mensch und KI arbeiten partnerschaftlich auf Augenhöhe zusammen. Die Führungsrollen werden dynamisch geteilt – die KI bringt faktenbasierte Analysen ein, der Mensch Erfahrungswissen, Intuition und ethische Perspektiven.

3. AI-Led Leadership Model: KI-Systeme übernehmen selbst Führungsaufgaben und treffen weitgehend autonome Entscheidungen. Dieses bereits in der Plattformökonomie praktizierte „algorithmische Management” bietet Skalierbarkeit, erfordert aber strenge ethische Leitplanken.

Drei zentrale Erkenntnisse für die Praxis

1. Paradigmenwechsel in der Führung – alte Konzepte funktionieren nicht mehr

Traditionelle Führungstheorien basieren auf der Annahme, dass ausschließlich Menschen andere Menschen führen. Doch was passiert, wenn ein Algorithmus Schichtpläne erstellt, Mitarbeiter bewertet oder Aufgaben verteilt? Klassische Konzepte wie Charisma, Empathie oder situative Anpassung greifen bei KI-Systemen ins Leere – Maschinen haben keine Emotionen und keinen „Reifegrad”.

Die vorgestellten drei Modelle schließen diese Konzeptlücke: Sie beschreiben konkret, wie Menschen KI-Systeme führen können (Supervisory), wie beide partnerschaftlich zusammenarbeiten (Collaborative) oder wie KI selbst Führungsaufgaben übernimmt (AI-Led). Unternehmen erhalten damit erstmals praktische Orientierung für hybride Führungsszenarien.

2. Ganzheitliche Transformation statt bloßer Technologie-Einführung

„KI ist nicht primär ein Tech-Problem”, betonte Wehinger in seinem Vortrag. Viele Organisationen fallen in die „POC-Falle” – sie starten zahlreiche KI-Pilotprojekte, ohne die grundlegende Organisation anzupassen.

Erfolgreiche KI-Integration erfordert jedoch eine synchronisierte Transformation auf vier Ebenen: Strategie (klare KI-Vision), Menschen (neue Kompetenzen und Rollen wie „AI Governance Officer”), Prozesse (neue Governance-Strukturen) und Technologie (menschenzentrierte KI-Systeme). Nur wenn die Organisation selbst „software-defined” wird – also ihre Strukturen fundamental anpasst – können die Potenziale von KI tatsächlich gehoben werden. Bloße Digitalisierung („software-driven”) reicht nicht aus.

3. Der Mensch bleibt zentral – Weisheit schlägt Intelligenz

Paradoxerweise werden genuin menschliche Fähigkeiten in der KI-Ära noch wichtiger. Wehinger präsentierte die Formel „SuperIntelligence meets SuperWisdom”: Während KI Intelligenz, Geschwindigkeit und Datenanalyse beisteuert, bringen Menschen Weisheit, Vertrauen, Empathie und ethisches Urteilsvermögen ein.

Führungskräfte müssen sich von „Command & Control” zu „Coordination” entwickeln und neue Kompetenzen aufbauen: technologisches KI-Verständnis, Dateninterpretation, Ethik-Bewusstsein – aber auch verstärkte soziale und kommunikative Fähigkeiten. Denn wenn Entscheidungen aus Algorithmen kommen, ist es die menschliche Führungskraft, die diese erklärt, einordnet und den Zusammenhalt im Team sichert. KI kann menschliche Weisheit nicht ersetzen, sondern nur verstärken.

Handlungsempfehlungen für Unternehmen

Wehinger formulierte konkrete Empfehlungen für die Praxis: Unternehmen sollten klare KI-Governance-Strukturen etablieren, Mitarbeiter frühzeitig einbinden, in Weiterbildung investieren und auf transparente, erklärbare KI-Systeme setzen. Besonders wichtig: Die Einführung schrittweise und mit Pilotprojekten starten, statt überstürzt großflächige Lösungen auszurollen.

Publikation

Der Beitrag wurde in den GI Lecture Notes in Informatics (Band P-371) veröffentlicht und ist Bestandteil der renommierten Publikationsreihe der Gesellschaft für Informatik e.V.

Der Foliensatz und Bilder sind auf der Veranstaltungsseite https://fg-wi-pm.gi.de/veranstaltung/post-agilitaet-resilienz-transformation einsehbar.

Über die Tagung PVM

Die PVM (Projektmanagement und Vorgehensmodelle) ist eine jährliche Fachtagung, die sich mit aktuellen Fragestellungen aus Praxis und Wissenschaft zum Stand der Vorgehensmodelle im Projektmanagement beschäftigt. Die Veranstaltung wird von den Fachgruppen Projektmanagement und Vorgehensmodelle der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) veranstaltet.

Die PVM bietet eine Plattform, auf der Experten, Wissenschaftler und Praktiker zusammenkommen, um neueste Forschungsergebnisse, innovative Ansätze und bewährte Vorgehensmodelle zu präsentieren und zu diskutieren. Das Programm umfasst wissenschaftliche Fachvorträge, die einem strengen Review-Prozess unterliegen, sowie Praxisberichte und einen Future-Track, der zukunftsweisende Thesen und Diskussionsbeiträge behandelt. Mit den Kompaktbriefings wird attraktives Schulungsprogramm zu aktuellen Fachthemen in die Tagung integriert.

Nähere Informationen zur PVM finden Sie auf der Webseite https://pvm-tagung.de

Über die Fachgruppe Projektmanagement
Die GI-Fachgruppe Projektmanagement bringt Experten aus Forschung, Lehre und Praxis zusammen, um aktuelle Fragestellungen, Methoden und Entwicklungen im IT-Projektmanagement zu diskutieren und voranzutreiben. Sie bietet eine Plattform für den Austausch von Wissen und Erfahrungen und fördert die Vernetzung von Fachleuten aus verschiedenen Branchen. Weitere Informationen zur Fachgruppe sowie Kontaktmöglichkeiten und Newsletter finden Sie auf der Webseite: https://fg-wi-pm.gi.de

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