Was ist das COnstructive COst MOdel (COCOMO)?
COCOMO (COnstructive COst MOdel) ist ein algorithmisches Kostenmodell, das speziell zur Schätzung der Kosten und des Aufwands in der Softwareentwicklung eingesetzt wird. Es nutzt mathematische Funktionen, um den Zusammenhang zwischen verschiedenen Softwaremetriken und den Kosten eines Projekts darzustellen. Das Modell hilft dabei, den Ressourcenaufwand (in Personenmonaten oder -jahren) und die voraussichtliche Projektdauer zu berechnen, was für eine präzise Planung und Budgetierung entscheidend ist.
COCOMO basiert auf umfangreicher Erfahrung aus der Softwareentwicklung in großen Unternehmen, wie zum Beispiel Boeing, und wurde 1981 von Barry W. Boehm, einem Softwareingenieur bei Boeing, entwickelt.
Merkmale von COCOMO
- Aufwandsschätzung: Berechnet den Ressourcenaufwand basierend auf Softwaremetriken wie der Anzahl der Quellcodezeilen oder der Funktionalität.
- Kostenfaktoren: In die Berechnung fließen sowohl allgemeine als auch firmenspezifische Parameter ein, die den Entwicklungsaufwand beeinflussen, wie z. B. Softwarekomplexität oder Mitarbeitererfahrung.
- Projektdauer: Ermöglicht die Schätzung der voraussichtlichen Dauer eines Projekts basierend auf den geschätzten Ressourcen.
- Mathematische Funktionen: Das Modell verwendet mathematische Formeln und Regressionsgleichungen, um präzise Schätzungen für die Entwicklung und den Einsatz von Software zu liefern.
COCOMO Weiterentwicklungen
- ADA COCOMO:
- Weiterentwicklung von COCOMO 81 zur Anpassung an die TRW-Implementierung des ADA-Prozessmodells.
- Hinzufügung von Risk Management, Architektur Skeletons und Inkrementellen Testmethoden.
- Weitere Anpassungen und neue Faktoren wie Security und Development for software reusability.
- Ada-spezifische Effekte wie die Zählung von Instruktionen für die Programmiersprache ADA und zusätzliche Kostenfaktoren für Programming Language Experience.
- Anpassungen in den Exponenten der Regressionsgleichungen zur Berücksichtigung der Eigenschaften des Ada-Prozessmodells.
- COCOMO II:
- COCOMO II stellt die neuesten Entwicklungen in der Softwareentwicklung dar und wurde erstmals 1997 veröffentlicht, mit einer offiziell bekannten Version im Jahr 2000.
- Anpassung an neue Softwareentwicklungsprozessmodelle, insbesondere das objektorientierte Programmieren und agile Entwicklungsmethoden.
- Im Vergleich zu COCOMO 81 berücksichtigt COCOMO II die Entwicklungsphase des Projekts (z. B. frühe Planungsphase, Designphase, Implementierungsphase).
- Die Einteilung in verschiedene Projektmodi wie in COCOMO 81 wurde hier vereinfacht und die Schätzung konzentriert sich stärker auf den Projektfortschritt.
Hinweise für die Praxis
- Anpassung an moderne Entwicklungsmethoden: COCOMO II ist besonders hilfreich für die Schätzung von Projekten, die mit modernen Methoden wie objektorientierter Programmierung und agilen Ansätzen entwickelt werden.
- Berücksichtigung von Risikomanagement: Das Modell legt großen Wert auf die Berücksichtigung von Risiken, insbesondere bei der Schätzung von Aufwand und Ressourcen in Projekten mit hohen Unsicherheiten.
- COCOMO II in der Praxis: COCOMO II kann für langfristige Projekte oder solche mit unklaren Anforderungen nützlich sein, da es auf Erfahrungswerten aus der Praxis basiert und sich an den spezifischen Projektstand anpasst.
Vorteile von COCOMO
- Effiziente Ressourcenplanung: Durch die präzise Schätzung des Aufwands und der Dauer können Ressourcen effizienter zugewiesen und das Projektbudget besser kontrolliert werden.
- Flexibilität: Durch die verschiedenen Schätzarten und Modelle wie COCOMO 81, ADA COCOMO und COCOMO II kann das Modell flexibel auf verschiedene Projektanforderungen und -methoden angepasst werden.
- Langjährige Erfahrung: Das Modell basiert auf umfassender Erfahrung aus der Praxis und hat sich in der Softwareentwicklungsbranche als wertvolles Tool etabliert.
