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Wie wir gesehen haben, basiert fast die gesamte Testvorbereitung auf den Anforderungen. Werden nun Anforderungsänderungen (=beschlossene Änderungsanforderungen) nicht an das Testteam kommuniziert, dann werden die falschen Dinge getestet und falsche Abweichungsmeldungen erstellt. Die nachfolgenden Diskussionen und die Suche nach der genauen und aktuellen Anforderungspezifikation sind zeitraubend und unnötig.
Bekannte Gründe für Prozessversagen können sein:

Undokumentierte Änderungen: Der Fachbereich/Kunde diskutiert direkt mit dem Entwickler. Der hilfsbereite Entwickler setzt einen Änderungswunsch „mal schnell“ um. Der Projektmanager oder der Testmanager muss den Entwickler und den Kunden so informieren, dass Änderungen in Zukunft nur noch über den definierten Anforderderungsmanagementprozess laufen.

Veraltetet Anforderungsspezifikationen: Ein Fehler des Testers oder eine schlecht gelebte Versionsverwaltung führt dazu, dass der Tester auf einer alten Version der Anforderungsdokumentation arbeitet. Die Versionierung der Anforderungen muss eindeutig geregelt sein. Am Besten liegen die Anforderungen auch nicht auf dem Netzlaufwerk, sondern in einer Datenbank (Organisatorisches Testtool) oder dem selben Versionierungstool, welches auch die Entwickler schon verwenden.
Es ist wichtig, dass ein Anforderungsmanagementprozess alle Stakeholder bis zum Ende einbindet:

  • Aktualisierung der Anforderungsdokumente (oft „Fachkonzept“ oder „fachliche Spezifikation“)
  • Anpassung der Designdokumentation („IT Konzept“)
  • Aktualisierung der Testfälle und ggf. Testautomatisierungsskripte
  • Anpassung der Testausführungspläne 
  • Anpassung des Code und der Programmdokumentation
  • Anpassung Prozessbeschreibungen im Unternehmen
  • Anpassung der Schulungsunterlagen für die Benutzer
  • Ggf. Anpassung Budget und Zeitplanung
  • Risikobetrachtung der (nachträglichen) Änderung

Aus der Liste kann man schon sehen, dass eine einzige nachträgliche Änderung es erfordern kann, dass eine Vielzahl von Leuten am Entscheidungsprozess partizipieren müssen, bzw. nachträglich die Änderungen in ihre Arbeitsergebnisse einbauen müssen. Die Liste ist natürlich von Projekt zu Projekt unterschiedlich. Bedeutet eine nachträgliche Änderung, dass das Gesamtprojekt um Wochen verzögert wird? All diese Informationen müssen im Entscheidungsprozess gesammelt und bewertet werden.
Man sollte sich auch davon verabschieden, manche Dinge erst nachträglich anzugehen: Je später die Inkonsistenzen angesprochen werden, umso aufwendiger wird es, diese zu bereinigen.