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Sobald die Anforderungen erstellt worden sind, fängt die Entwicklung mit dem Design der Lösung an. Zum selben Zeitpunkt sollte auch das Testteam mit der Erstellung der Testfälle beginnen. In vielen Projekten ist dies nicht der Fall, da die Anforderungen eine so schlechte Qualität haben, dass sich die Entwicklung erst langsam an die gewünschte Lösung herantastet (auf modern heißt das „horizontal prototyping“, wobei horizontal prototyping durchaus seine Berechtigung hat, wenn es richtig gemacht wird). Die Folge davon ist, dass die Testvorbereitung erst starten kann, wenn die Entwicklung fast zu Ende ist, da vorher die Anforderungen nicht klar sind. Entsprechend verlängert sich der Projektzeitraum, da das Testteam nun Testvorbereitung und Testdurchführung in einem Zeitraum macht, in dem vorher nur die Testdurchführung vorgesehen war. (Es ist nicht so, dass die Entwicklung mit dem Bugfixing sonst wesentlich schneller gewesen wäre, da die Qualität in solchen Projekten auf Grund der unklaren Anforderungen sowieso sehr gering ist)
Ausgenommen von dieser Problematik sind (echte) agile Projektmethodiken, die von vorne herein in Kauf nehmen nicht zu wissen, was am Ende erstellt wird. (Zu unterscheiden von den unechten agilen Projekten, die nur agil heißen, weil das Projektmanagement seine Inkompetenz verschleiern möchte.)
Ein großer Vorteil des frühen Starts der Testfallerstellung liegt wieder in der endgültigen Qualitätsprüfung der Anforderungen: Wenn keine Testfälle erstellt werden können, dann kann das System auch nicht spezifisch entwickelt werden.
Es gibt Anforderungen, welche nicht sofort getestet werden können. Beispiel: Alle Dateien müssen sieben Jahre aufgehoben werden. Dies sollte dann im Anforderungsdokument explizit vermerkt werden.
Optimal aus unserer Sicht wäre, wenn die Fachexperten, welche die Anforderung formulieren dies gemeinsam mit dem Testteam machen und sofort die relevanten Testszenarien mit beschreiben. Diese können dann im Anschluss vom Testteam in Testfälle mit all ihren Testdatenvarianten umgewandelt werden.
Jedes Projekt hat Änderungsanforderungen, daher müssen die Testszenarien und Testfälle bei jeder Änderungsanforderung aktuell gehalten werden. Dies ist oft ein Argument für eine sequentielle Vorgehensweise (Wasserfallmodell): Erst Anforderungen, dann Design, dann Entwicklung, dann Testvorbereitung, usw.
Für Projekte ohne Zeitdruck ist das sicher möglich. Mir ist in letzter Zeit jedoch kein solches Projekt untergekommen.