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Qualitätssicherung (QS) wird grundsätzlich aus zwei unterschiedlichen Perspektiven gesehen:

Konstruktive und analytische Qualitätssicherungsmaßnahmen.

Bei den konstruktiven Qualitätssicherungsmaßnahmen geht es um vorbereitende Aktivitäten, welche Sicherstellen sollen, dass die zu schaffenden Ergebnistypen (etwa eine fachliche Spezifikation oder ein Stück Quellcode) eine gute Qualität haben. Dies wird beispielsweise durch Richtlinien, Templates oder Vorgehensmodelle erreicht.

Dies bedeutet es werden zum einen Prozesse bereitgestellt, welche später zu einer höheren Produktqualität führen ("Du musst Entwicklerdokumentation schreiben und Entwicklertests machen!") und zum anderen wird die Qualität der Prozesse geprüft und überwacht ("Ist mit dem CR-Prozess sichergestellt, dass alle Stakeholder rechtzeitig von der Änderung erfahren, bzw. am Änderungsprozess beteiligt werden.")

Die analytische QS prüft die Qualität von Projektprodukten nach der Erstellung. Hierzu gehören beispielsweise Reviews oder Softwaretests. In IT Projekten sind meist Software, Dokumente und Prozesse Gegenstand der analytischen Qualitätssicherung.

Eine vorhergehende, wichtige Aktivität ist die Qualitätsplanung: Es ist sehr wichtig die konstruktive und die analytische Qualitätssicherung von Anfang an in das Projekt einzuplanen (und anzukündigen). Die Planung und Beschreibung wird normalerweise in einem extra Ergebnistyp "QS-Plan" festgehalten und erklärt.

Anmerkung: Softwaretest als Spezialgebiet der analytischen Qualitätssicherung wird oft in einem speziellen "Test-Plan" festgehalten.

Konstruktive Maßnahmen, welche nicht von Anfang des Projekts eingeplant werden kommen meist zu spät und führen somit zu einer hohen Fehlerzahl, während der analytischen QS-Phase.
Da die Planung des Aufwands und der Zeit für analytische QS-Maßnahmen und die anschließende Fehlerbeseitigung sowieso meist am schwersten fällt, ist hier eine der Hauptquellen für Projektverzögerungen (Der Softwaretest dauert länger als geplant.).

Hinweis: Im konkreten Projekt ist es oft sehr schwierig für den einzelnen QS-Manager, den Nutzen der konstruktiven QS-Maßnahmen im Vorfeld zu argumentieren, um den dafür erforderlichen Aufwand betreiben zu könnnen. Darum ist QS eigentlich "Chefsache".

Im PMI Framework ist das "Wording" im Qualitätsmanagement etwas anders. Es finden sich folgende drei Kernprozesse zum Qualitätsmanagement:

  • Qualitätsplanung, in diesem Prozess werden alle QS-Maßnahmen festgelegt und geplant.
  • Qualitätslenkung, hierunter werden alle konstruktiven QS-Maßnahmen verstanden und
  • Qualitätssicherung, hierunter versteht PMI alle analytischen QS-Maßnahmen.


Sollten sie als Qualitätsmanager in einem Softwareprojekt unterwegs sein, ist es außerdem ratsam sicherzustellen, dass der Projektmanager seine Projektmanagementprozesse ordentlich und transparent eingeführt hat und auch lebt.
Dazu gehört beispielsweise das Änderungsmanagement (CR-Verfahren), welches aus den unterschiedlichsten Gründen immer wieder eine Quelle für Projektverzögerungen ist. Auch die Einführung von Regeln zur Meetingökonomie (Vorlauf, Agenda, Pünktlichkeit, Moderation, Protokoll) können Einfluss auf den Projekterfolg haben.

QS-Pläne unterscheiden sich oft von Projekt zu Projekt, da zum einen die Schwerpunkte des Projekts unterschiedlich sind und zum anderen manche QS-Richtlinien bereits im Unternehmen verankert sind und nicht zusätzlich in einem QS-Plan beschrieben sein müssen. Trotzdem ist der Qualitätsmanager eines Projekts zur Überwachung der Einhaltung verpflichtet.

Hinweis: Dort wo der Projektmanager ein Thema nicht ausreichend implementiert hat, kann der QS-Manager in den Prozessen des Projektmanagements wildern und beispielsweise einen CR-Prozess einfach zu einem QM anstatt einem PM Prozess machen.