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Die Konferenz Projektmanagement und Vorgehensmodelle (PVM2015) hatte dieses Jahr das Glück in den Räumen der NORDAKADEMIE in Elmshorn zu tagen. In wunderschönen und gut organisiertem Ambiente haben die beiden Fachgruppen „Projektmanagement“ und „Vorgehensmodelle“ der Gesellschaft für Informatik (GI) auch dieses Jahre wieder Wissenschaftler und Praktiker zu einem Austausch über Standards, Trends und zukünftige Entwicklungen im Projektmanagement zusammengebracht.

Dieses Jahr stand die mit fast 90 Teilnehmern gut besuchte Veranstaltung unter dem Motto „Hybride Projektstrukturen erfolgreich umsetzen“ und beschäftigte sich hauptsächlich mit der Vereinbarkeit von herkömmlichen, plangetriebenen Vorgehensmodellen und agilen Ansätzen. Agile Vorgehensmodelle für die Softwareentwicklung wie Scrum und Kanban setzen auf mehr Flexibilität, erlauben es, Anforderungen auch spät im Entwicklungsprozess zu ändern und beziehen alle Stakeholder mit ein. So wird insbesondere die Kundenrolle von einer eher passiven in eine aktive Teilnahme und Einflussnahme während der Entwicklung gewandelt. Diese agilen Ansätze gewinnen immer mehr an Bedeutung. Es stellt sich in der Unternehmenspraxis jedoch als schwierig heraus, agile Techniken und Methoden in plangetriebene, hierarchisch aufgebaute Unternehmen mit klar definierten Aufbau- und Ablauforganisationen zu integrieren.

Als Zwischenlösung werden in den Unternehmen hybride Strukturen aufgesetzt, die „das Beste“ aus beiden Welten verbinden sollen.

Das Tagungsformat bestand aus einem durch das Programmkomitee in einem Doppelt-Blind-Verfahren ausgewählten wissenschaftlichen Hauptprogramm, einem Future Track mit innovativen Themen und Praxisberichten, sowie den Open Spaces, bei denen die Teilnehmer eigene Themen einbringen und diskutieren konnten.

Vorsitz des Programmkomitees hatten Prof. Dr. Eckhart Hanser, Prof. Dr. Martin Engstler und Alexander Volland. In der lokalen Organisation der Konferenz haben insbesondere Hr. Prof. Dr. Sauer, Frau Silke Homann-Vorderbrück und Fr. Elena Hermann mitgewirkt und damit erheblich zum großen Erfolg der diesjährigen Konferenz beigetragen.

 


Prof. Engstler, Prof. Hanser, Alexander Volland und Prof. Sauer
eröffnen die PVM2015.

Aus dem vielfältigen Programm stachen die Keynotes besonders hervor. Die erste Keynote von Guido Zockoll beschäftigte sich mit der Analogie von Schachspiel und Projektmanagement. Wie im Schach sind auch im Projektmanagement sowohl strategische Weitsicht als auch taktische Überlegungen gefragt. Es gilt, in komplizierten und komplexen Situationen die Übersicht zu bewahren und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Die Planung ist dabei meist schwierig. Bei einem Live-Spiel auf der Bühne mit zwei ehemaligen Vereinsspielern aus dem Publikum konnte die in der Eröffnungsphase gestellte Frage „In welchem Zug planen Sie, Ihren Gegner mattzusetzen und das Spiel zu gewinnen?“ vom weißen Spieler nicht befriedigend beantwortet werden. Wie könne das in einem Projekt funktionieren? Die Schlussfolgerung, dass ein unterschiedliches Instrumentarium für komplizierte oder komplexe Situationen zu verwenden ist, überraschte doch den ein oder anderen im Publikum.


Guido Zockoll erläutert den Unterschied von kompliziert und komplex am Schachspiel.

Interessant war auch die zweite Keynote zur agilen Entwicklung bei der DENIC, der zentralen Registrierungsstelle der .de-Domain. Die DENIC setzt seit über fünf Jahren agile Projektmanagementmethoden ein. Dabei werden agile und klassische Vorgehensmodelle parallel genutzt. Die beiden Referenten, Paul Hilmer und Karl Pollok, stellten die dabei auftretenden Herausforderungen durch die Koexistenz verschiedener Vorgehensweisen sowie die gesammelten Erfahrungen vor. Für viele Besucher aus der Praxis war interessant zu sehen, wie die DENIC den Wandel gemeistert hat und welche Herausforderungen gelöst werden mussten.

Der diesjährige Best Paper Award wurde für den Beitrag über „Agile Management-Praktiken in Saudi-Arabien“  an Helge F. R. Nuhn, Bernhard Frühlinger und Daniel Klumpp verliehen. Es wurde gezeigt wie agile Methoden auch außerhalb der Softwareentwicklung und in anderen Kulturkreisen erfolgreich eingesetzt werden konnten.


Oliver Linssen (rechts) verleiht den PVM Best Paper Award 2015

Im Rahmen der Open Space Sessions wurden insbesondere die Themen der Key Notes, aber auch andere Themen, wie Critical-Chain-Projektmanagement oder die Skalierung von Scrum in Unternehmen in einzelnen Arbeitsgruppen vertieft. Die Open Space Sessions hatten auch dieses Jahr wieder großen Zulauf und wurden von allen Beteiligten gelobt.

Das Konferenzdinner wurden dieses Jahr von der NORDAKADEMIE hervorragend organisiert: Die Barkassenfahrt auf der Elbe wurde musikalisch von NAKapella, dem A cappella-Chor der NORDAKADEMIE begleitet.

Ohne unsere Sponsoren NORDAKADEMIE und die Beratungshäuser Copitos und KomTeamer wäre die Veranstaltung in diesem Rahmen nicht möglich gewesen.
Medienpartner der Konferenz ist das ProjektMagazin.

 

Die Vortragstexte der Tagung können im Konferenzband „Projektmanagement und Vorgehensmodelle 2015“ aus der Reihe GI-Edition Lecture Notes in Informatics nachgelesen werden.
Einige der Folienpräsentationen stehen auf der Webseite
http://pvm-tagung.de zur Verfügung.